»Villa Buth erhalten!«
31. März 2026
Deportation, Gedenkort, Gedenkstätte, Holocaust, Jülich, Lernort, Shoah, Verfolgung, Villa Buth
Redebeitrag der VVN-BdA Aachen zum Erhalt der Villa Buth auf der Kundgebung am 29. März 2026 in Jülich.
Jülich braucht die Villa Buth. Nein: Die Menschheit braucht die Villa Buth. Sie braucht sie für eine gute Zukunft. – Aber wie soll ein Haufen alter Steine für eine gute Zukunft sorgen?
Es gibt keine Zeitzeug:innen mehr, die über die Entwicklungen vor 100 Jahren berichten können. Heute
steigt in einem kaum erwartbaren Maße die Zustimmung zu autoritärem Denken, nicht nur in Deutschland. Wir von der VVN-BdA halten das nicht für Zufall.
Wie kann das in diesem Land sein? In Deutschland sollten wir doch wissen, was Faschismus an der Macht bedeutet, mit wie viel Schmerz, Leid, Elend und Zerstörung das zu Ende geht.
Aber wir schauen jetzt nicht auf das Ende des deutschen Faschismus, sondern auch auf den Anfang. Auch der Anfang steckt in den Steinen der Villa Buth: Sie haben nicht nur die Verfolgung und Vernichtung jüdischer Mitmenschen erlebt, sondern auch das, was davor passiert ist: Etwa die Polarisierung der Gesellschaft in den 1920er-Jahren, in der die extremen Positionen sich mehr und mehr und immer brutaler bekämpften – oder der Aufstieg einer Partei, die ihre Ziele verschleiert hat und sich so lange mit einem demokratischem Deckmantel getarnt hat, bis sie ihre menschenverachtende Politik hemmungslos durchsetzen konnte.
Eine solche Partei gibt es auch heute wieder:
- Eine Partei, die sich »demokratisch« tarnt und ihre wahren Absichten verbirgt. Die »Blätter für deutsche und internationale Politik« nennen das in ihrer April-Ausgabe »Die Strategie der Selbstverharmlosung«.1
- Eine Partei, die sich mit Lügen und vermeintlich einfachen Lösungen komplexer Probleme populär macht.
- Die etwa Schlechterverdienenden ein besseres Leben verspricht – tatsächlich vertritt sie aber eine Politik, die höheren Einkommen zugutekommt.
- Eine Partei, die die Klimakrise leugnet und meint, wirkönnten an unserem zerstörerischen Lebensstil folgenlos festhalten.
- Eine Partei, die den Frieden verspricht. – Aber was für ein Frieden soll das sein, der nur für diejenigen gilt, die deutsch genug sind?
- Und vor allem ist es eine Partei, die unliebsamen Minderheiten die Schuld gibt an allem, worauf sie den Volkszorn zu lenken vermag.
Bei den Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz hat die AfD vor zwei Wochen fast 20 Prozent der Stimmen erhalten. Der Handelsblatt-Umfragetracker prognostiziert der AfD am 23. 3. für die kommenden Landtagswahlen im Mittel:2
- in Mecklenburg-Vorpommern: 37%
- in Sachsen-Anhalt: 39%
Das sind also schon längst keine »Peanuts« mehr – schon längst ist das keine kleine Gruppe mehr von Leuten, die nur ihrem Protest ausdrücken wollen.
- Die ersten Folgen ihres Aufstiegs sind schon spürbar; der Einfluss rechten Denkens nimmt zu:
- Projekten wie »Demokratie Leben«, der »Amadeu-Antonio-Stiftung«, oder »HateAid« und vielen weiteren werden Mittel aus dem Familienministerium gekürzt.
- Vor 3 Tagen, am Donnerstag, den 26. März hat das Europaparlament einer Verschärfung der Abschiebe-Regeln zugestimmt, die einem das Blut in den Adern gefrieren lässt. Weil sich Sozialdemokraten und Liberale aus guten Gründen dagegen gewehrt hatten, haben die Konservativen gemeinsam mit rechten und rechtsextremen Parteien ihre Agenda durchgesetzt.3
- Unfassbare Mengen Geld fließen derzeit ins Militär. Dieses Geld wird und demnächst in den Haushalten fehlen. Und zwar in sämtlichen Bereichen. Wollten wir unsere Prioritäten tatsächlich wieder auf das Militär setzen? Weil wir damit so gute Erfahrungen gemacht haben?
- Der Öffentlich-rechtliche Rundfunk behandelt die AfD wie eine normale demokratische Partei. Ganz so, wie diese Partei sich dargestellt sehen möchte. Aber ist es nicht die Aufgabe unserer Medien, den Schleier der Tarnung zu lüften? Wenn es die AfD schafft, dann wird der Öffentlich-rechtliche Rundfunk eines ihrer ersten Opfer sein.
Das sind alles Schritte, die uns in Richtung eines autoritären Systems bringen. Wir dürfen nicht übersehen, dass wir diesen Weg bereits eingeschlagen haben. Aber das zu sehen ist schwierig. Weil wir zu leicht vergessen und verdrängen, was passiert ist, wie es dazugekommen ist.
Darum brauchen wir die Mahnungen aus der Vergangenheit, darum brauchen wir Zeug:innen, die uns berichten, wie dieser Weg begonnen hat und wo dieser Weg endet.
Und wenn es diese Zeug:innen aus Fleisch und Blut nicht mehr gibt, werden die aus Stein umso wichtiger! Die Villa Buth muss nicht nur erhalten werden, sondern sie muss auch als Gedenkstätte aktiv genutzt werden! Damit dieses Land stabil bleibt. Viel Zeit haben wir nicht mehr.
Wir wollen nicht die Demokratie, wie sie hierzulande praktiziert wird, in Schutz nehmen – oder einzelne Parteien oder Personen. Aber es gibt in Zukunft – und so war es schon immer – nur dann ein gutes Leben, wenn das ein gutes Leben für alle Menschen ist. Und uns daran ständig zu erinnern, dass wir die richtigen Schlüsse ziehen, dass wir das Richtige tun, dafür brauchen wir die Villa Buth. Darum sind diese alten Steine so unfassbar wichtig für Jülich und für die ganze Menschheit!
Fußnoten
- Timo Büchner: AfD im Ländle: Die Strategie der Selbstverharmlosung; »Blätter« 4/2026, Seite 13–16 ↩︎
- www.handelsblatt.com/politik/deutschland/landtagswahlen- 2026- das- s ind-die-aktuellen-umfragewerte-in-rheinland-pfalz-02/100190670.html, Handelsblatt vom 23. 3. 2026, abgerufen am 25. 3. 2026 ↩︎
- www.tagesschau.de/ausland/europa/eu-bruessel-abschiebezentren-100.htm ↩︎
Links:
https://de.wikipedia.org/wiki/Villa_Buth
https://villa-buth.de/
https://www.hspv.nrw.de/projekt-orte-der-polizeigeschichte/orte/juelich-villa-buth








