Grußwort der VVN-BdA Aachen, 8. Mai 2026 am VVN-Denkmal Würselen

geschrieben von VVN-BdA Aachen

11. Mai 2026

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Ich spreche zu Euch, den Schülerinnen und Schülern des Städtischen Gymnasiums. Ihr habt im Unterricht über den Faschismus in Deutschland gesprochen. Ihr wollt mir Euren Beiträgen heute dazu beitragen, dass sich das nie wiederholt.

Dieses Engagement ist großartig! Euch gebührt größter Dank!

Frage an die SchülerInnen: Wer hat den Namen Josef Mohren noch nicht gehört? [Der größte Teil der SchülerInnen zeigte auf.]

Josef Mohren war Arbeiter, Bergarbeiter, Kommunist. Er gründete den Kommunistischen Jugendverband in Würselen, der 1933 60 Mitglieder hatte. Deswegen wurde er dann, wie auch Vater u. Tante, inhaftiert und in KZ-Haft gesteckt. Anschließend blieb er im „Kommunistischen Kampfbund“ im Untergrund aktiv. Auch nach erneuter Haft blieb er mit vielen Widerstandsgruppen im Kontakt. Nach dem Krieg wurde er Bergarbeiter auf Gouley und 1953 in den Betriebsrat gewählt.[1]

Warum ist das Gedenken genau hier am Denkmal für die Opfer des Nationalsozialismus so wichtig?

Weil: Dieses Mahnmal wurde errichtet 1947 von der „VVN – Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes“. Das waren diejenigen Frauen und Männer, die sich dem Faschismus nicht gebeugt haben. Die von der ersten Stunde an Widerstand geleistet haben.

Die Nazis in Deutschland wollten die gesamte Welt unterwerfen und Jüdinnen und Juden und Roma und Sinti vollständig vernichten. Das wollten sie von Anfang an, den Krieg haben sie von der ersten Stunde an geplant.

Ihren Vernichtungsfeldzug konnten die Nazis aber nur führen, indem sie jeden Widerstand im Keim erstickten. Deshalb haben sie ihren Feldzug gegen die Menschheit begonnen mit einer brutalen Verfolgungswelle gegen ihre Gegner. Bereits im ersten Jahr ihrer Herrschaft haben sie 500 bis 600 Widerstandskämpfer ermordet; mehrere Zehntausend, darunter allein 15 000 Kommunisten, landeten in Gefängnissen, Zuchthäusern und den Konzentrationslagern.

Diese Widerstandskämpfer haben Großes geleistet. Leute wie die Würselener Josef Mohren, Josef Mallmann oder einige der auf dem Denkmal aufgeführten kamen aus allen Schichten der Bevölkerung, hauptsächlich aus der Arbeiterschaft. Es waren Sozialdemokraten, Kommunisten, Gewerkschafter, Christen oder auch viele Parteilose. Sie kämpften für Demokratie und Frieden und für soziale Gerechtigkeit.

Die wichtigste Lehre ihres Kampfes lebt bis heute fort: Wir müssen auch heute alles tun, damit sich dieses nicht wiederholt. Der Blick in die Geschichte des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus bietet da zwar keine Handlungsanleitungen. Aber wir finden viele Beispiele sehr unterschiedlicher Widerständigkeit, und genau diese Beispiele und Erfahrungen sind heute für uns alle wichtig.

Es ist die „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA)“, die die Erfahrungen von ihren Gründervätern und -mütter gesammelt und gespeichert hat. Die VVN trägt die Gene des antifaschistischen Widerstandes in sich.

Ich möchte Euch allen deshalb ans Herz legen – macht Euch mit der VVN-BdA vertraut, greift über die VVN auf die Erfahrungen des heute ja nicht mehr lebenden Widerstands zu.

Nichts ist selbstverständlich. Wenn wir heute nicht aufpassen, könnt Ihr morgen vor denselben Herausforderungen stehen, wie seinerzeit die hier Geehrten. Es gibt massive Angriffe auf die Demokratie. An allen Ecken und Enden sollen soziale und Bildungsrechte eingeschränkt werden. Und es klingen die Kassen der Rüstungsindustrie, Kriegstauglichkeit wird aufgebaut. Wir müssen sehr aufpassen, dass Ihr jetzt nicht in die Kriege der Reichen verwickelt werden.

Wie sagten unsere Gründungsväter und -mütter: Wehret den Anfängen!

Die VVN steht dabei auf Eurer Seite!


[1]Mehr über Josef Mohren in „Lügendetektor: Vernehmungen im besiegten Deutschland 1944/1945“ von Saul K. Padover; Josef Mohren war auch einer der Namens- und Ideengeber des Stücks „Oppenhoff. Mohren. Cohn“ des Stadttheater Aachen.

Programm 8. Mai 2026 Würselen